Es ist derzeit noch etwas früh, sich ein abschließendes Bild der politischen Ereignisse in Thüringen zu machen. Und dennoch scheint es geboten, angesichts der hysterischen Reaktionen allerorts, die Dinge einmal zu ordnen:

1. Die CDU hat einen Unvereinbarkeitsbeschluss gegen die Alternative für Deutschland und die Partei Die Linke gefasst. Zur Auswahl standen Kandidaten der AfD, der Linkspartei und der FDP. Wie also hätte sich die CDU Thüringen verhalten sollen? Sie hätte den AfD-Kandidaten Kindervater wählen können und damit den Parteitagsbeschluss missachtet. Sie hätte den bisherigen Ministerpräsidenten der Linkspartei, Bodo Ramelow, wählen können und damit den Parteitagsbeschluss missachtet. Sie hätte den FDP Kandidaten Kemmerich unterstützen können und den Parteitagsbeschluss geachtet.

2. Die Anschuldigungen der Linken (SPD und Grüne eingerechnet) grenzen an Verleumdung. Es wird CDU und FDP vorgeworfen, diese haben geputscht und sich dafür der Stimmen der Faschisten bedient. Geht es noch eine Nummer kleiner? Man kann doch nicht ernsthaft in einer geheimen und freien Wahl vom politischen Gegner erwarten, dass ein Sozialist entgegen der eigenen Überzeugung ins Amt gehievt wird, nur um ja nicht die Hand mit der AfD heben zu müssen. Nochmal: Es wurde ein FDP (!!!) und KEINAfD-Kandidat gewählt.

3. Die CDU trägt eine riesige Mitverantwortung für die aktuelle Lage. Das Erstarken der Ränder und die Toleranz gegenüber jedem Unfug der in der sogenannten „demokratischen Mitte“ (als gäbe es in SPD und Grüne keine sozialistischen Strömungen) fabriziert wird, wird aus Machtkalkül mitgetragen, getreu dem Motto „Nach mir die Sintflut“. Hohe Prozentzahlen für die AfD passen sogar in dieses Machtkalkül, kann so doch keine Regierung mehr ohne die Union gebildet werden (siehe: Matthias Jung „Die AfD als Chance für die Union“). 

2015, als die AfD schon auf dem Sterbebett lag, hat ihr Merkels Kontrollverlust neues Leben eingehaucht. Aus Angst vor schlechten Bildern. 

Macchiavelli schreibt in seinem Klassiker „Der Fürst“: 

„Einen Fürsten darf es nicht kümmern, der Grausamkeit bezichtigt zu werden, wenn er dadurch bei seinen Untertanen Einigkeit und Ergebenheit aufrecht erhält; er erweist sich als milder, wenn er nur ganz wenige Exempel statuiert, als diejenigen, die aus zu großer Milde Missstände einreißen, woraus Mord und Raub entstehen; denn hierdurch wird gewöhnlich einem ganzen Gemeinwesen Gewalt angetan“ 

Klingt martialisch, Grausamkeit braucht es in einer zivilisierten politischen Landschaft sicher nicht. Zumindest jedoch ein Mindestmaß an Rückgrat, Weitsicht und staatsorientiertem Verantwortungsbewusstsein hätten gereicht, um „Dammbrüche“ zu vermeiden. Stattdessen sorgte sich die CDU um unangenehme Bilder und strategische Optionen. Wer Wind sät wird Sturm ernten. In Thüringen stehen der linke und der rechte Rand zusammengenommen nun bei über 50 %.

Und außerdem: So harmlos ist auch der nett aussehende Ramelow nicht. Zitat: „Ich achte Kommunisten. Ich bin ein demokratischer Sozialist.“