Anfang September lud der Journalist und Autor Klaus Kelle konservativ Gesinnte aus ganz Deutschland nach Erfurt zur „Schwarmintelligenz“. Unser Gastautor Dr. Christian Steidl nahm an der Veranstaltung teil und berichtet wie folgt von seinen Eindrücken. 

Bei der 5. Vollversammlung der wahren Schwarmintelligenz am 5. und 6. September 2020 in Erfurt gab es viel Applaus für die Forderung Todd Huizingas. Er begann mit der Forderung, wir Wertkonservative dürften es den Linken nicht mehr durchgehen lassen, dass sie uns gesellschaftlich ausgrenzen und unsere Werte zerstören. Der ehemalige Diplomat und heutige Präsident des Center for Transatlantic Renewal (CTR), sieht als Grund für die Macht der Linken im öffentlichen Meinungsdiskurs den erfolgreichen langen Marsch der „Kulturmarxisten“ durch die Institutionen. 

Todd Huizinga vom Center for Transatlantic Renewal wurde per Video zugeschaltet. Foto: Christian Steidl 

Hans-Georg Maaßen erklärte in seinem Vortrag, dass bei der marxistischen Unterwanderung besonders an den Universitäten der Auslandsgeheimdienst der DDR mit seinen „Inoffiziellen Mitarbeitern“ (IM) stark beteiligt war. Einen Einblick dazu gewährte bereits im sinnbildlichen Jahr 1984 der KGB-Überläufer Bezmenov (alias Schumann) in einem Interview und einer Vorlesung. Wie die Unterwanderung der BRD genau organisiert und personell besetzt war, könnte man aufklären mithilfe der „Rosenholz-Dateien“ – einem großen Datensatz des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit, in der die im Westen tätig gewesenen IM inkl. Klarnamen verzeichnet sind. Der CIA hatte das Datenmaterial in der Wendezeit gesichert und in die USA gebracht und zur Verurteilung der DDR-Spione in den USA genutzt. Dies müsse nun endlich auch in der BRD geschehen, so Maaßen. 

Vera Lengsfeld bekräftigte die Bedeutung dieser Datei. Sie berichtete, dass sie sich in ihrer Zeit als Bundestagsabgeordnete dafür eingesetzt hatte, die Daten von den USA zu bekommen, um sie auszuwerten. Die USA hat diese Rosenholz-Dateien laut Vera Lengsfeld auch zur Verfügung gestellt, aber sie werden von der Bundesregierung nach wie vor unter Verschluss gehalten.

Wie Stasi-infiltriert war die BRD?

Laut Medienberichten wurden Auszüge aus den Rosenholz-Dateien im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie veröffentlicht, aber auf Email-Nachfrage bezeichnete Vera Lengsfeld diese Medienberichte als „Ablenkungsmanöver“: Die Bundesregierung habe eine Sperre verhängt, die den Bürgern und sogar unabhängigen Wissenschaftlern eine Einsicht in die Originaldatei verwehrt. Nach ihrer Einschätzung müssen nicht nur die Linken Entdeckungen befürchten! Auch die Union habe Abgeordnete gehabt, die von der Stasi gelenkt wurden. Das Misstrauensvotum von Rainer Barzel gegen Willy Brandt sei gescheitert, weil zwei Abgeordnete der Union für 50.000 DM für Brandt gestimmt hatten. Die inoffiziellen (nicht informellen) Mitarbeiter der Stasi seien in den Redaktionen von Spiegel bis Welt gesessen und auch bei der Polizei gewesen. Lengsfeld verwies auf den DDR-Spion und Polizisten Karl-Heinz Kurras, der den Studenten Benno Ohnesorg 1967 erschossen hat und damit die Radikalisierung der Studentenbewegung auslöste. Die RAF-Terroristen wurden von der Stasi unterstützt und fanden dann Unterschlupf in der DDR. 

Vera Lengsfeld ist sich sicher: „Die ganze Nachkriegsgeschichte müsste neu geschrieben werden. Da will keine Partei ran.“ Als die FDP in der Regierung war, hat sie einen Antrag auf Stasiüberprüfung aller Bundestagsabgeordneten gestellt. „Der Antrag verschwand in den Ausschüssen und wurde nie wieder aufgerufen. Bestimmt nicht, weil die Rosenholzdateien nichts hergäben. Man hätte schließlich den Beweis dafür antreten können”, so Vera Lengsfeld.

Es wäre schon sehr erhellend, welche linken Parteimitglieder und Aktivisten der Friedens- und Ökologiebewegung IMsder DDR waren oder solche als enge Mitarbeiter hatten – eventuell weit über das Jahr 1989 hinaus. Vielleicht würde das viele Entwicklungen in der Bundesrepublik Deutschland erklären. Hans-Georg Maaßen erwähnte, dass Andrei D. Sacharow das Ziel des „ökologischen Sozialismus“ bereits 1968 formulierte. Das erinnert sehr an die heutige Argumentation der Grünen, der umbenannten SED und zumindest Teilen der SPD, nur eine gelenkte Staatswirtschaft könne die „Klimakatastrophe“ abwenden. 

Die stellvertretende Bundesvorsitzende der WerteUnion, Simone Baum, erinnerte in der Podiumsdiskussion an die vielen Stasi-Funktionäre in der Kirche im Osten. Sicherlich waren auch einige den Amtskirchen in Westdeutschland eingeschleust worden.

Massenhysterie zu Klima und Corona ist „Schwarmdummheit“

Wie weit die Verkleinerung des bürgerlichen Lagers schon fortgeschritten ist, wurde in dem Vortrag von Hermann Binkert vom Meinungsforschungsinstitut Insa deutlich: 1969 hatten CDU/CSU und SPD zusammen noch 88,8 Prozent, Anfang 2020 lag die kleine „GroKo“ in den Umfragen bei 40 % und der aktuelle Wert von 50 % sei wohl nur eine Momentaufnahme, die auf der Angst vor dem Corona-Virus beruht. Möglicherweise ist die Corona-Hysterie genauso ein Fall von „Schwarmdummheit“ wie die von Hans-Georg Maaßen so bezeichnete Anpassung an den linken Mainstream. Hans-Georg Maaßen stellte auf eine Nachfrage klar, dass wir Bürgerliche uns dessen bewusst sein müssten, dass „wir versuchen, Fußball zu spielen – die Linken mitsamt der Antifa hingegen spielen mit uns American Football.“

Meinungsumfragen ersetzen keine Analyse der Fakten

Neben der gezielten gesellschaftlichen Veränderungen durch Linksextremisten verwies Hermann Binkert in seinem Vortrag noch auf einen anderen Grund für unsere aktuelle gesellschaftliche Lage: Die Parteien orientieren sich nicht mehr am Artikel 21 des Grundgesetzes, der vorsieht, dass die Parteien „an der politischen Willensbildung teilnehmen“. Vielmehr fragen die Politiker bei den Meinungsforschungsinstituten nach, wie die Stimmung im Volk ist, um sich dann anzupassen. Aber was die Menschen so für richtig halten, muss nicht mit den Fakten übereinstimmen: So glaubten die Menschen seit Aristoteles im 4. Jahrhundert vor Christus, dass ein doppelt so schwerer Stein doppelt so schnell zu Boden fällt – bis Galileo dies im 17. Jahrhundert experimentell widerlegte. Und als Jesus seine Jünger fragte, „für wen halten mich die Menschen?“ (Matthäus 16, 13), da gab es viele falsche Antworten. Daher zitierte Hermann Binkert Franz-Josef Strauß: „Wer mit der Zeit geht, der geht dann mit der Zeit.“

Theologie-Professoren zerstörten den Glauben

Viele Probleme unserer Zeit sieht der evangelische Theologe Alexander Garth aus Wittenberg in der Abkehr von der Kernbotschaft des christlichen Glaubens begründet. Daher tritt er für eine Neuevangelisierung ein. Das Grundproblem sei, dass die Theologieprofessoren an den Universitäten versuchten, den Glauben naturwissenschaftskonform zu vermitteln, also ohne übernatürliche Phänomene. Wunder und die Auferstehung würden umgedeutet. Dieser Versuch der Rettung des Christentums ins wissenschaftsgläubige Zeitalter zerstörte den Glauben vieler Christen. Wichtig für den Glauben sei die persönliche Erfahrung des liebenden Gottes. Mit dieser Gottesbeziehung steht das Christentum im positiven Kontrast zum Islam, der die „Unterwerfung unter Gott“ bedeutet.

Jesus sagte zu seinen Jüngern, „Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe!“ (Johannes 13:34) Und Jesus ging noch weiter und forderte, wir sollten auch unsere Feinde lieben. Der Evangelikale Todd Huizinga empfahl entsprechend, wir sollten „aus Liebe mit den linken Mitmenschen diskutieren“. Zudem verwies er in Bezug auf das Beklagen des Rückgangs der Christen in Deutschland darauf, dass es im Jahr 307, als Kaiser Konstantin das Christentum zur Staatsreligion machte, nur 10 Prozent Christen gab. Die eigentlich gar nicht an Jesus Christus Glaubenden wurden also plötzlich zur Mehrheit in der verstaatlichten Kirche! Fortan war es meist so, dass die Einwohner immer den Glauben des Fürsten annehmen mussten. Erst 1875 wurde die Religionsfreiheit eingeführt. Es sei also nicht so, dass früher immer alles besser gewesen wäre. 

Alexander Garth verwies zudem auf viele neue Glaubenserweckungen von jungen Menschen und auf einige Bekehrungen von Muslimen. Johannes Hartl, der alle zwei Jahre die charismatische MEHR-Konferenz organisiert, hätte ebenfalls von positiven Entwicklungen berichten können, aber er hatte kurzfristig abgesagt.

Zur Frage, was wir glauben sollen, trug Hans-Georg Maaßen eine Scherzfrage vor: „Was ist der Unterschied zwischen einem Pfarrer, einem Atheisten und einem Geheimdienstmitarbeiter? – Der Pfarrer sagt, ‚du musst auch an das glauben, was du nicht siehst‘, der Atheist sagt, ‚du sollst nur das glauben, was du siehst‘ und der Geheimdienstler [der die Drahtzieher der Fake News kennt] rät dazu, ‚du solltest auch nicht alles glauben, was du siehst!‘“ Als Beispiel dafür, dass nicht alles so ist, wie es aussieht, nannte er die DDR-„Oppositionsparteien“, die sich 1989 gründeten und größtenteils von der Stasi aufgestellte „Honigtöpfe“ waren, mit der man die Oppositionellen ausfindig machen und durch IM anleiten wollte. Der Westen sei damals viel zu überheblich und naiv gewesen. 

Vera Lengsfeld bestätigte, dass dieser Hintergrund die gute Finanzausstattung des „Demokratischen Aufbruchs“ 1990 erklärt. Und der gebürtige Thüringer Holger Thuss, der nicht in der SED war und heute als Präsident des „Europäischen Instituts für Klima & Energie“ (EIKE, www.eike-klima-energie.eu) gegen die Klima- und Corona-Hysterie ankämpft, berichtete, dass viele DDR-Bürger damals davon ausgingen, dass diese Oppositionsgruppen Fallen der Stasi waren, um Oppositionelle zu enttarnen – quasi ein großer Hammelsprung. Vera Lengsfeld ergänzte, es sei ein grober Fehler gewesen und war wohl eine Folge der westdeutschen Überheblichkeit, dass man die SED 1989/90 nicht verboten und nicht enteignet hat. 

Vor einer DDR 2.0 und einem finanziellen Zusammenbruch warnte Dr. Markus Krall, Autor und Geschäftsführer, der Degussa Goldhandel GmbH in seinem Vortrag. Entschieden warnte er vor dem Helikoptergeld der EZB, das wie Nitroglycerin das Finanzsystem zersprengen werde. Deutschland stehe am Scheideweg. „Die Bürger wollen die Freiheit und nicht den Untergang“, proklamierte Krall.

Dr. Markus Krall warnt vor der Enteignung der Bürger. Rechts im Bild ist der Veranstalter Klaus Kelle. Foto: Christian Steidl 

Illegale Masseneinwanderung ist kein Naturphänomen

Prof. Dr. Andreas Rödder, Professor für neueste Geschichte an der Universität Mainz und Mitglied des Vorstands der Konrad-Adenauer-Stiftung, gehört wohl nicht zu den von Krall erwähnten Bürgern. Rödder rief dazu auf, die Konservativen sollten „ihren Frieden machen mit der Tatsache, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist“. Er hätte es auch so formulieren können, dass wir „unseren Niedergang akzeptieren, tolerieren und wertschätzen sollten“! In der Diskussion wurde ihm erklärt, dass die illegale Masseneinwanderung von muslimischen Asylforderern kein unweigerliches Naturphänomen ist, sondern auf einem eklatanten Gesetzesverstoß der Bundesregierung beruht. Ich habe ihm im Anschluss an seinen Vortrag im persönlichen Gespräch dargelegt, dass die CDU/CSU als Folge der Corona-Lockdown-Wirtschaftskrise nicht daran vorbeikommen wird, Deutschland zum Auswanderungsland zu machen. Denn es werde zu gesellschaftlichen Verwerfungen kommen, finanzierte man trotz fehlenden Geldes für die deutschen Bürger weiterhin illegal eingewanderte und ausreisepflichtige Hartz-IV-Empfänger.

Auch beim Thema „Gender Mainstreaming“ hat Prof. Rödder noch nichts verstanden. Er glaubt noch, dass das Ziel dieser perversen Ideologie sei, „die Chancenunterschiede zwischen Männern und Frauen anzugleichen“; während die Genderologen in Wahrheit mehr als 40 neue Geschlechter entwickeln, um die Menschen sexuell zu desorientieren. Seine Idee, statt des „Gender Mainstreamings“ einen neuen eigenen Begriff zu prägen, ist vom Ansatz her nicht verkehrt. Sein Vorschlag Family Mainstreaming birgt jedoch die Gefahr, dass er nicht als Gegenpol zum Gendern, sondern als Variante des Gender Mainstreamings wahrgenommen wird. Der gesamte Begriff ist bereits bei Bürgerlichen negativ besetzt, so dass ein komplett neuer Begriff besser wäre – beispielsweise Family Fortification (dt. „Familienstärkung“).

Unverständlich ist, warum Prof. Rödder vom Begriff der „Leitkultur“ abrücken und stattdessen von „bürgergesellschaftlichen Leitplanken“ sprechen will. Statt ständig mit den Migranten darüber zu diskutieren, welche Kultur und welche Werte hier gelten sollen, sollte Deutschland – zumindest meiner Meinung nach – islamistische Migranten abschieben, die unsere Leitkultur zerstören wollen. Wenn Prof. Rödder ein typischer „Konservativer in der CDU“ wäre, dann müsste man wirklich „Gute Nacht“ sagen. Aber zum Glück gibt es ja auch noch echte Konservative in der CDU/CSU!

Prof. Andreas Rödder kam mit einem Minimalprogramm für Konservative nach Erfurt. Foto: Christian Steidl