Ein Gastbeitrag von Dipl. Chem. Dr. Christian Steidl

„Ich will, dass Ihr in Panik geratet“, lautet der Titel des Buchs von Greta Thunberg (Fischer Verlag, 2019) und im März 2019 äußerte sie, die Kernenergie können einen Beitrag leisten für eine CO2-freie Energieversorgung. Der deutsch-französische Grüne Daniel Cohn-Bendit verkündete auf Twitter, dass er zur Klimarettung eine Verlangsamung des Atomausstiegs für diskussionswürdig hält. Der Weltklimarat (engl. „Intergovernmental Panel on Climate Change“, kurz IPCC), geht da viel weiter. Er forderte laut Doris Ammon vom ZDF [Aus Klimaschutzgründen: der Kampf für die Rückkehr der Kernenergie, 3.12.2018], dass sich die weltweite Atomstrom-Produktion bis zum Jahr 2030 um mindestens 60% erhöhen müsse. Bis zum Jahr 2050 müsste sie sich sogar verfünffachen, um die Erderwärmung unter zwei Grad zu halten. Nur so könnten Einschränkungen bei Lebensstandard, Konsum und Mobilität verhindert werden, so das IPCC. 

Betrachtet man die Entwicklung weltweit, so ist die Kernenergie fast überall auf dem Vormarsch. Selbst in Japan hat man sich vom Fukushima-Schock erholt und hält an der Kernenergie fest. Tschechen, Polen und Niederländer bauen die Kernenergie aus, weil sie das Geschäft sehen, Deutschland Atomstrom zu verkaufen.

Tot geglaubte Theorien leben am längsten

Die Theorie der Klimaerwärmung durch Kohlendioxid publizierte Svante Arrhenius 1896 unter der Überschrift „On the Influence of Carbonic Acid in the Air upon the Temperature of the Ground“ im Philosophical Magazine and Journal of Science. Bereits im Jahr 1913 widerlegte jedoch der Marburger Mineralogie-Professor Emanuel Kayser diese These: Im Zentralblatt für Mineralogie wies er in seinem Artikel „Über die Arrhenius‚sche Theorie der Eiszeiten“ nach, dass Eiszeiten nicht durch eine Absenkung des CO2-Gehalts in der Atmosphäre ausgelöst wurden. Damit war das Thema erst einmal vom Tisch. Die Liberaldemokratische Partei Deutschlands plakatierte in der Weimarer Republik: „Die Schlote müssen rauchen“. Der 2. Weltkrieg wurde nicht wegen „Klimaschädlichkeit“ abgesagt und auch während der Zeit des Wirtschaftswunders spielte der CO2-Ausstoß keine Rolle. Dann aber gab es drei Probleme: 

1. Die heimische Steinkohle wurde zu teuer und die hohen Subventionen belasteten die Staatshaushalte in Deutschland und England. 

2. Die Ölkrise zeigte, wie gefährlich die Abhängigkeit von ausländischen Energieträgern ist. 

3. Langhaarige Verschwörungstheoretiker spalteten das Land, verunglimpften die kostengünstige Kernenergie und stellten für die etablierten Parteien eine Bedrohung dar. 

Da man das Restrisiko bei der Kernenergie nicht völlig wegdiskutieren konnte, drängten einige Physiker darauf, das Narrativ von der „Kohlendioxid-bedingten Klimakatastrophe“ vom guten alten Arrhenius wieder aufleben zu lassen. 1983 zogen die Grünen in den Bundestag und mit dem Super-GAU in Tschernobyl 1986 verschärfte sich die Kritik an der Kernenergie. Daher ließ sich Forschungsminister Heinz Riesenhuber (CDU) 1992 – also unter Kanzler Helmut Kohl – dazu überreden, das Potsdam-Institut zur Klimafolgenforschung (PIK) zu gründen und mit der Aufgabe zu betrauen, die Menschheit von der Schädlichkeit des Kohlendioxids zu überzeugen. Und die Wissenschaftler machen dort das, wofür sie bezahlt werden.

Global gesehen war das Klima-Narrativ erfolgreich

Wie eingangs erwähnt, hat die Angst von der Überhitzung der Erde in vielen Ländern dazu geführt, dass die Angst vor Atomunfällen relativ gesehen als geringeres Übel breitere Akzeptanz fand. Hier in Deutschland hat man es auch versucht, aber die Menschen sind hier sehr von ihrer technischen Leistungsfähigkeit überzeugt und glauben, dass es gelingen werde, aus Atomenergie, Kohle und Öl gleichzeitig auszusteigen, ohne dass dies den Lebensstandard signifikant absenkt. 

Das Deutsche Atomform (DAtF) versucht wenigstens noch Teile der Atomforschung und Wartung im Land zu halten und beruft sich auf den Weltklimarat zur Begründung der Bedeutung der Kernenergie: Nur so könne das 1,5‑Grad-Ziel bis 2100 erreicht werden, ohne an Wohlstand zu verlieren. Darüber berichtet der Kerntechnik Deutschland e.V. auf seiner Internetseite www.kernd.de.

Noch deutlicher wird der Verein Nuklearia, der 2019 zur „Klimademo“ aufrief und „Atomstromverbot“ und „Klimatod“ gleichsetzte. Aber dennoch geht der Atomausstieg weiter und die politischen Aktivisten vom Bundesverfassungsgericht haben Druck für einen noch schnelleren Ausstieg auch aus fossilen Brennstoffen. Daher stellt sich die Frage, ob das Klima-Narrativ eine geeignete Strategie ist zur Erhaltung der Kernenergie in Deutschland und ob die negativen Begleiterscheinungen der „Klimarettung“ wie ökonomische und strukturpolitische Fehlentwicklungen, sowie eine negative demokratische Entwicklung nicht vielleicht doch überwiegen.

Das Klima-Narrativ ist zu offensichtlich falsch

Es gibt schon seit vielen Jahren Bücher, die klar nachweisen, dass ein Anstieg des Kohlendioxidgehalts in der Luft nicht zu einer Klimakatastrophe führt:

Durch gezielte Stigmatisierung der Autoren als „Verschwörungstheoretiker“ ist es der Klimakatastrophenlobby bisher gelungen, die Wirkung dieser Bücher zu begrenzen und sie von Schulen fern zu halten. Noch immer glaubt die Mehrheit an das von ARD und ZDF verbreitete Narrativ vom „menschengemachten Klimawandel“. Aber es werden nicht nur immer mehr gute Bücher publiziert. Auch die normative Kraft des Faktischen bläst den Klimahysterikern ins Gesicht: Durch die Abschwächung der Sonnenfleckenzyklen, sowie kühlende Effekte durch das Wetterphänomen „La Niña“, war der April 2021 so kühl wie seit 40 Jahren nicht mehr. 

Und der Mai ging ebenso kühl und zudem verregnet weiter. Daher ist absehbar, dass immer weniger Menschen die Erzählung vom „menschengemachten Klimawandel“ glauben, so dass es angebracht erscheint, zur Förderung der Kernenergie auf andere Strategien umzusatteln. Die Corona-Lockdown-Wirtschaftskrise könnte hier eine Chance sein, denn sie richtet den Fokus wieder auf die Ökonomie, die ja eine der drei Säulen der Nachhaltigkeit ist. Nur mit günstigen und grundlastfähigem Atomstrom können wir die Lockdown-Wirtschaftskrise überwinden.

Ökonomische Anpassungsprozesse in der Post-Klimapanik-Wirtschaft

Die Marktwirtschaft ist flexibel und anpassungsfähig. Aber ständige Änderungen des Bedarfs sind dennoch nicht förderlich. Aktuell beginnen viele Hersteller ihre Antriebstechnik auf Elektro umzustellen – selbst Harley Davidson. Die Stahlindustrie soll von Koks auf Wasserstoff umsatteln. Dann kann man natürlich nicht 5 Jahre später das Rad wieder zurückdrehen. Daher ist es sinnvoll, jetzt nochmals genau zu überlegen, ob man den sehr teuren und international nicht konkurrenzfähigen Umbau zu einer CO2-neutralen Wirtschaft wirklich durchziehen will. 

Werden wir in 10 Jahren noch eine erfolgreiche Exportnation sein, oder kaufen wir dann chinesische Autos mit Benzinmotor, weil wir gar keinen Strom haben, um die Elektroautos aufzuladen – geschweige denn das notwendige Geld dafür?

Neben der produzierenden Wirtschaft, muss man auch die Dienstleistungsunternehmen im Blick haben, die als Influenzer, Aktivisten, Lobbyisten, Nachhaltigkeitsberater und Energiemanagementzertifizierer ihren Lebensunterhalt verdienen. Auch die muss man mitnehmen, wenn man das Narrativ ändern will. Sie brauchen in der Post-Klimapanik-Welt eine neues Geschäftsmodell. Und die notleidenden Investmentbanken, die dann nicht mehr mit CO2-Zertifikaten spekulieren können, benötigen neue, sichere Einnahmequellen. Das wird eine Herkulesaufgabe für die neue Bundesregierung.