FFF, Klimanotstand, Grüne
Umwelt

Die Gretafrage

Deutschland! Nun sag, wie hältst du´s mit dem Dioxid-Carbon? Du bist ein herzlich gutes Land, allein ich glaub, du hast zu viel davon.

Frei nach Goethe

Saarbrücken hat den Klimanotstand ausgerufen. Gott sei Dank!

Konstanz hat den Anfang gemacht, Kiel zog nach. In Heidelberg hat der Oberbürgermeister Wolfgang Erichson, wohl noch im Freudentaumel über 40% für die Grünen bei der Kommunalwahl, eine „Giftliste“ auf den Tisch gelegt. Dem Klima gehts an den Kragen. Jawoll!

Nachdem in den vier außerordentlich bedeutenden und außerordentlich armen Städten sich die Bürger aller Bezahlbarkeit zum Trotz widerfanden um der Erderwärmung den Garaus zu machen, müsste doch eigentlich nichts mehr zu befürchten sein. Oder?

Ganz so leicht scheint die Sache dann doch nicht zu sein. Der aufmerksame Leser wird beim Lesen festgestellt haben, dass die genannten Städte weder Berlin, noch Bremen heißen und somit mit Wohlstand doch nicht so wenig zu tun haben, als es in der Einleitung suggeriert wird.

Je dunkler die Zukunft, desto heller die Retter

Damit wären wir auch schon beim ersten Punkt: Wenn „grüne“ Maßnahmen für Klimaschutz effektiv Maßnahmen gegen den Bürger sind – beispielsweise soll in Heidelberg das Autofahren künstlich verteuert werden, sodass es sich nicht mehr lohnt – dann zeigt sich eine Gefahr, die das Wesen einer jeden Krise ausmacht. Überall dort wo sich die Welle vor einem in apokalyptischen Höhen aufbäumt und kein Ausweg in Sicht scheint, dort kommen die Retter vorbei, nehmen die hilflose Masse an der Hand und führen sie blind, doch scheinbar allwissend an den einzigen sicheren Ort, den die Welle nicht erfassen wird. 2015 war die AfD der große Retter vor den Flüchtlingen. 2019 steht nun eben eine andere Krise an. Und wieder ist die Verführung groß, dem starken Mann zu glauben und mit Top-Down Maßnahmen, man könnte auch sagen mit Bevormundung, Entmündigung oder schlicht Freiheitsentzug, die Krise in den Griff zu bekommen. Alter Wein in immer neuen Schläuchen.

Die Geschichte der Menschheit ist von Beginn an eine, die immer stärker Richtung Freiheit, Richtung Potential und Eigenverantwortung zielt. „Sapere aude!“ – Wage es, dich deines Verstandes zu bedienen! Was sollte dies anderes sein, als eine Aufforderung zur Eigenverantwortung. Und schon wird das Kreuz dieser Forderung deutlich. Wage es! Was gewagt werden muss, ist oder scheint zumindest ein gewisses Maß an Unsicherheit mit sich zu bringen. Wo sich der Bürger weniger am Ideal des mündigen Bürgers, als vielmehr an Nietzsches letzten Menschen zu orientieren scheint, ist die Inkaufnahme einer Gefahr nicht mehr zumutbar. Freiheit verkommt vom Anspruch der Emanzipation vor den Mächtigen zum nie enden sollenden Besuch im Småland.

Aber gut. Die Krise ist da, ihr muss begegnet werden. Die Antwort der Verführer ist die Autorität, in den aufgeführten Beispielen in Form des Klimanotstandes. Der Fokus scheint bei solch martialischen Maßnahmen klar zu sein. Das Klima muss in den nächsten 12 Jahren von Heidelberg, Saarbrücken, Kiel, Konstanz und hoffentlich bald allen anderen deutschen Kommunen aus gerettet werden. Weltweit. Der Notstand, welcher die Polis dem Klimaschutz ganz und gar unterordnet, ist ein Dogma. Punkt. Neben ihm haben andere Herausforderungen erstmal zurückzustecken. Die gute Nachricht: Die Welt wird nicht mehr am Klimawandel sterben. Danke, ihr wackeren Saarländer und edlen Nordmänner aus Kiel.

Das Panikorchester bläst zum Marsch

Die schlechte Nachricht: Die Welt wird an allen anderen, unter dem Dogma der Klimabekämpfung sträflich vernachlässigten Herausforderungen sterben. Too bad, aber yolo.

Die Herausforderungen, die ignoriert werden dürften global lauten: Kindersterblichkeit, Hungerbekämpfung, Bildungsmisere (diese ist in rot geführten Bundesländern auch ein nationales Problem), die nukleare Bedrohung und weitere Krisenherde aller Art, wie beispielsweise der Krieg gegen den Islamischen Staat.

Kontinental bewegen uns das Auseinanderdriften der Europäischen Union. Grund hierfür ist die Verwechslung der Eurokraten zwischen Europa und EUropa. Ein Finanzcrash der Güte 1929 wird ebenfalls vorausgesagt (siehe Dirk Müller oder Markus Krall). Die Sparer werden dank Nullzins kalt enteignet und die Demokratien scheinen von linken und rechten Extremisten unter Beschuss wie lange nicht mehr.

In Deutschland retten wir die Welt, indem die eigene Industrie im Namen eben jener Weltrettung gegeißelt wird. Das Arbeitslosigkeit und mangelnde Perspektive bisher noch immer die besten Düngemittel für Extremismen waren, egal. Wenn das letzte Kohlekraftwerk im Osten wegen Klimarettung geschlossen wird, eine Ansiedlung von Unternehmen durch Abgabenlast und bürokratischem Wahnsinn verunmöglicht wird und die AfD sich zwischen 35-50% einpendelt, ist das reaktionäre Projekt „Weimar 21.0“ vollendet.

Die Bekämpfung der Erderwärmung im Zuge des Klimawandels ist ein edles Motiv. Bewahrung der Schöpfung, Tierschutz, den Einklang zwischen Mensch und Natur herstellen – alles wunderbar. Die radikale Fokussierung auf dieses eine Problem jedoch ist eine Verantwortungslosigkeit sondersgleichen, eine Absage an die Realpolitik und das unbedingte Geltendmachen einer unterkomplexen Weltsicht.

Der Weg zur Knechtschaft

Deutschland und die Welt stehen zweifelsohne vor riesigen, wenigstens existentiell erscheinenden Herausforderungen (als sei dies jemals in der Menschheitsgeschichte anders gewesen, Stichworte: Untergang des römischen Reiches, der schwarze Tod, Weltkrieg 1 und 2). Zu süß wäre es, sich auf die Verführer einzulassen und den Leviathan die Kontrolle übernehmen zu lassen. Zurücklehnen, zuschauen, sich retten lassen. Traumhaft! Doch Politiker sind auch nur Menschen, NGOs und Konzerne auch nur eine Ansammlung relativ homogener und weltanschaulich nicht repräsentativer Formationen.

Wenn die Probleme so ernst sind wie es immer heißt, gilt es mehr denn je Freiheit und Eigenverantwortung zu erhalten, aus dem Mosaik der Tausenden ein Mosaik der Millionen und Milliarden zu machen. „Cogito, ergo sum“ – Ich denke, also bin ich. Wer nicht willens ist selbst zu denken, wer seine Verantwortung in die Hände von anderen geben will und wer glaubt, tausende menschliche Gehirne und die Erfahrung von tausenden Lebenswelten seien fähiger als Millionen von Gehirnen und die Erfahrung von Millionen Lebenswelten, der hat sich von Descartes‘ Diktum verabschiedet. Politisch kann nur sein, wer selbst denkt, wer Verantwortung übernimmt. Die Gretchenfrage (oder Gretafrage, haha) lautet also einmal mehr: Freiheit oder Knechtschaft. In diesem Sinne: Verabschieden Sie sich von ihren Dogmen, prüfen Sie sich und andere und fangen Sie an zu handeln. Ohne Sie werden Freiheit und Demokratie (wieder einmal) zu Grabe getragen!

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