Zeitgeist

فقدت الأطفال

فقدت الأطفال / faqadat al’atfal / verlorene Kinder

Soeben lief die sehenswerte IS-Doku „Leonora“. Derzeit ist sie noch in der ARD-Mediathek zu sehen. Der Film handelt von Maik Messings Tochter Leonora, die mit 15 Jahren in den Islamischen Staat (IS) auswanderte. Der Dschihad führte sie vom sächsischen Breitenbach nach Raqqa in Syrien. Dort ging sie eine Ehe mit dem IS-Kader Martin Lemke ein; auch er war kurz zuvor aus Deutschland nach Syrien gegangen. Die Dokumentation endet damit, wie Leonora vollverschleiert Suren des Koran vorsingt. 

Wie umgehen mit Kindern der Zivilisation, die Zivilisationsbruch begehen?

Die Frage steht im Raum: Soll Leonora – stellvertretend für alle deutschstämmigen Dschihadisten – wieder nach Deutschland einreisen dürfen? Oder sind die Rückkehrer eine Gefahr für unsere Nation?

Die Dokumentation berichtet über Leonoras Ausreise, über gescheiterte Fluchtversuche, ihren zwischenzeitlich vermuteten Tod, der sich als Lüge der Konkubine ihres Mannes Martin Lemke alias Nihad Abu Yasir herausstellte. Den Weg aus dem Joch des Islamischen Staates findet sie schließlich dank der militärischen Erfolge der Feinde des IS. 

Derzeit befindet sich Leonora noch in einer Flüchtlingsstadt im Nordosten Syriens. Und sie will zurück nach Deutschland. Ebenso wie ihr Gatte, der im Interview am Ende der Doku in mitleiderregender Besiegtenpose die bedingungslose Kapitulation anbietet und im Büßerhemd daherkommt. Der „Arme“ will nämlich nicht in Syrien seiner gerechten Strafe zugeführt werden – sondern lieber in Deutschland in den Knast. Und das obwohl Nihad nach eigener Aussage doch gar nichts getan hat. 

Aber Moment… war da nicht was? Sklavenhandel, aktiver Kampfeinsatz und hohe Stellung im Geheimdienst des Islamischen Staats? Davon ist in der Doku die Rede, und genau davon will Nihad nun nichts mehr wissen. 

Diese Doku ist sehenswert und die Frage, die sie stellt ist relevant. Was soll mit Deutschen geschehen, die sich aufmachten, den Islamischen Staat zu unterstützen. Was soll mit Menschen wie der womöglich immer noch fanatischen Leonora oder ihrem vermutlich kalkulierenden Gatten geschehen?

Deutschland will die Familien der Terror-Abenteurer nach Hause holen.

Bei den Kindern der Kämpfer scheint die Sache recht einfach zu sein, immerhin wurden schon einige Kinder deutscher IS-Kämpfer in die Bundesrepublik geholt. Bei den Erwachsenen ist die Sache noch in der Schwebe. Immerhin könnten die Kämpfer auch in Deutschland noch ein Sicherheitsrisiko darstellen und jahrelange Kriegserfahrung, jahrelange islamistische Berieselung und jahrelange Abwesenheit von Rechtsstaat und Grundgesetz lassen sich nicht einfach so abschütteln.

Drakonische Strafen und Hinrichtungen waren beim IS an der Tagesordnung, dafür brauchte es den restlichen Krieg nicht einmal. Diese Grausamkeiten wurden im Namen des IS, im Namen des Islam oder wenigstens einer perversen Interpretation des Islam begangen. 

Rückholaktionen hätten also das Ergebnis, dass auch brutalisierte Täter, die jahrelang ein erstklassiges Grausamkeitstraining absolviert haben, sich gegen Freiheit und Menschenrechte einsetzten – natürlich mit der Waffe in der Hand – wieder zurück ins friedliche Deutschland dürfen. Spötter würden von einer nachträglichen Belohnung sprechen.

Aber auch Deutschland ist ein Land, in dem die Zahl islamistischer Gefährder in den letzten Jahren massiv gestiegen ist. Ein Land, in dem der Rechtsstaat zunehmend an seine Grenzen kommt, diese Grenzen teilweise schon überschritten hat. 

Und auch über die praktischen Probleme der Staatsgewalt hinaus: wie soll es dem deutschen Volk vermittelt werden, dass sich erklärte Feinde der westlichen Lebensweise hier nun wieder breit machen dürfen – nur weil die staatliche Manifestation ihrer Wahnideologie militärisch besiegt wurde? Militärisch besiegt bedeutet ja auch längst nicht ideologisch besiegt. 

Und so beläuft sich das Gefahrenpotential nicht bloß auf einige wenige hochrangige IS-Täter. Nein, es geht um möglicherweise hunderte traumatisierte, kriegsgewöhnte und -bewährte Kämpfer, denen die infrastrukturelle Grundlage für ihren Dschihad zerstört wurde. Der Krieg hat seinen Schauplatz verloren, die Erfahrung des Krieges ist in den Köpfen eingespeichert und die Idee des heiligen Krieges ist millionenfach in Buchform und im Internet auf der Welt verbreitet. 

Stell Dir vor es war Krieg und der Feind kehrt zurück.

Der Krieg wird sich einen neuen Schauplatz suchen, er wird in vermutlich auch finden. Die Kriegserfahrung und das jahrelange Grausamkeitstraining sind unauslöschbar in den Gehirnen der Rückkehrer eingespeichert und die Idee des Dschihad besteht auf unabsehbare Zeit weiter.

Es scheint mir auf der Hand zu liegen, dass Deutschland gut beraten wäre, die deutschen IS-Kämpfer nicht zurück in die Bundesrepublik zu lassen. Die Dokumentation „Leonora“, genauer gesagt, dass Ende der Dokumentation haben gezeigt, wie fest sich der Fanatismus auch oder gerade wegen jahrelanger Kriegserfahrung im Kopf eines Menschen festsetzt. Nachdem sie das Video der vollverschleierten und Koranverse zitierenden Leonora gesehen hatten, sagten enge Bekannte von Maik Messing, es sei nicht schlimm, wenn Leonora nicht mehr zurückkäme. Dies wäre sowieso nicht mehr seine Tochter. 

Und auch für Deutschland sind die Töchter und Söhne des Dschihad verloren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Jetzt eintragen für den TAXIS-Rundbrief

Registrieren Sie sich hier kostenlos für unsere Neuigkeiten, einmal pro Monat bequem in Ihr elektronisches Postfach.
Holler Box