Zeitgeist

Ist die „Mietenexplosion“ wirklich so schlimm?

Die Teuerung der Mietpreise ist eines der wichtigsten Debattenthemen der letzten Jahre. So stellen es zumindest Parteien und Medien dar.

Aber wie schlimm ist die Mietsteigerung wirklich? Gilt sie für alle Großstädte? Und was heißt eigentlich „bezahlbarer Wohnraum“?

Ich habe dazu eine interessante Übersicht über die Entwicklung zwischen 2013 und 2018 in 80 deutschen Großstädten gefunden.

Zunächst sind die Zahlen eindeutig: In allen sind die Mieten gestiegen, einzige Ausnahme ist Rostock mit einem leichten Minus von acht Prozent.

Um zu verstehen, wie belastend steigende Mieten tatsächlich für die Mieter sind, sind jene allerdings in den Kontext der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zu stellen.

Steigende Löhne sind bei der Frage nach der „Bezahlbarkeit“ zu berücksichtigen.

Ob nämlich eine Wohnung für ihren Mieter bezahlbar ist, hängt primär von dessen Einkünften ab.

Wer „viel“ verdient, kann sich locker auch eine „teure“ Wohnung leisten.

Deshalb lohnt ein Blick auf die Löhne. Seit 2013 sind die Bruttogehälter jährlich in einer Spanne zwischen drei und knapp fünf Prozent gestiegen:

Statistik: Gehalts- und Lohnentwicklung in Deutschland gegenüber dem Vorjahr von 1992 bis 2018 | Statista
Quelle: Statista

Insgesamt lässt sich also eine Lohnsteigerung von um die 25 Prozent annehmen (wenn z.B. auch die „Aufzinsung“ der Lohnsteigerung mit berücksichtigt wird).

Somit lassen sich Mietsteigerungen von 25 Prozent oder weniger im selben Zeitraum als bezahlbar ansehen. Sie laufen gewissermaßen entweder genau mit der Lohnsteigerung mit oder liegen darunter.

Natürlich ist es für Arbeitnehmer, die auf Miete wohnen, durchaus ärgerlich, wenn ihre Lohnsteigerung von der Mietsteigerung (teilweise) wieder aufgefressen wird.

Allerdings ist zu beachten, dass sich die Mietsteigerung vor allem durch Neuvermietungen berechnet. Wer also bereits vor Längerem einen Mietvertrag geschlossen hat, profitiert eventuell von einer verlangsamten Mietsteigerung.

[Inb4 „Milchmädchenrechnung“: Natürlich wurden hier die Bruttolöhne zu Grunde gelegt, anstatt die „dank“ Steuern und Inflation niedrigeren Nettoreallöhne, welche Angestellten am Ende des Monats tatsächlich zur Verfügung stehen – und aus denen sie am Ende des Tages die Miete bezahlen. Dem lässt sich jedoch der bereits erwähnte Effekt gegenüber stellen, dass sich Mietsteigerungen zunächst hauptsächlich aus Neuvermietungen begründen, wovon nicht alle Mieter betroffen sind. Zudem stellt die Mietsteigerung bereits einen Teil der Inflation dar. Dies müsste zusätzlich noch herausgerechnet werden.]

Die Mietsteigerungen sind in den meisten Großstädten Deutschlands bezahlbar.

Die eingangs zitierte Mietentwicklung in 80 deutschen Großstädten lässt sich wie folgt in drei Gruppen teilen:

  • 30 Prozent und mehr – insgesamt vier Großstädte
  • Zwischen 26 und 29 Prozent – insgesamt elf Großstädte
  • 25 Prozent und weniger – insgesamt 65 Großstädte

Damit sind die Mietsteigerungen im überwiegenden Teil der deutschen Großstädte also bezahlbar.

Es stellt sich also die Frage, woher die aufgekratzte Diskussion eigentlich kommt…

Die „Mietexplosion“ ist vor allem in der Berliner Wahrnehmung ein Problem.

Den unangefochtenen Spitzenplatz bei der Mietsteigerung nimmt die Bundeshauptstadt Berlin mit 52 Prozent ein. Dahinter folgen Augsburg mit 40 Prozent und München mit 35 Prozent (wobei diese beiden Städte sich durch ihre Distanz von 30-45 Minuten Zugfahrt durchaus als ein gemeinsamer Ballungsraum verstehen lassen – oder, weniger wohlmeinend, Augsburg als Münchener Vorort).

Die Wahrnehmung sich verteuernder Mieten und die mit ihr verbundene politische Hysterie geht also von gerade einmal zwei Hype-Städten in Deutschland aus. Diese haben in den letzten Jahren einen enormen Zuzug erlebt.

Für die Einwohner von Chemnitz oder Recklinghausen ist die Mietdebatte hingegen völlig irrelevant. Sie wohnen auch im Jahr 2018 noch für um die fünf Euro pro qm und mussten in den letzten sechs Jahren nur geringfügige Mietsteigerungen hinnehmen. Ähnlich dürfte es einem Großteil der Provinzbewohner gehen – sofern es sich nicht gerade um den Münchener Speckgürtel handelt.

Das Sozialismus- und Billige-Mieten-Geschrei ist insbesondere in Berlin völlig verfehlt. In der Bundeshauptstadt waren die Mieten über lange Zeit aus historischen Gründen sehr niedrig, also sozusagen fundamental unterbewertet. Nun korrigiert der Markt eben nach oben – mit etwas über elf Euro pro qm sind die Berliner Mieten jedoch absolut gesehen noch lange nicht exorbitant. Verglichen mit Paris oder London geradezu ein Witz!

Merke: Die Debatte wird vor allem von linken Ideologen getrieben, die zum Schaden des Steuerzahlers sozialistische Eskapaden ausleben wollen.

Anders als in Berlin fassen fassen solche Ansätze in München keinen Fuß, obwohl die absoluten Mieten höher sind und dadurch auch die absolute Mietsteigerung.

Dies liegt wohl an den unterschiedlichen Motiven der Hinzuziehenden: Wer nach München zieht, tut dies zumeist, um einen lukrativen Arbeitsplatz auszufüllen. Wer nach Berlin zieht, will realitätsferne linksalternative Lebensträume verwirklichen.

Es ist also kein Wunder, welche dieser beiden Städte nach Subventionierung durch den Rest der Republik giert, um ihren Bewohnern eine Dolce Vita zu ermöglichen – und dies leider auch mit Erfolg.

Dito.

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