Ideengeschichte

Staat & Nation I: Warum wir auch im 21. Jahrhundert den Nationalstaat brauchen

Preisfrage: Nennen Sie einen Grundstein unseres Gesellschafts- und Staatssystems in fünf Buchstaben – deren laute Aussprache, zumindest in tonangebenden, Sprengstoff bedeutet.

Antwort: Die NATION.

Glückwunsch! 100 Punkte.

Nach dieser Lockerungsübung stellt sich die entscheidende Frage:

Warum sollten wir uns heute, im 21. Jahrhundert, noch mit dem „verstaubten“ Konzept der Nation beschäftigen? Was steckt dahinter und was kann sie heute für die freiheitlich demokratische Grundordnung in Deutschland leisten?

Nicht jedem gefällt das nämlich. „Der Hauptgegner ist das Gespenst des Nationalismus.“ – So sagen es zumindest gewisse Wahlverlierer.

Einst war es noch das „Gespenst des Kommunismus“, das durch Europa ging und Christkonservative in Empörung versetzte. Heute sieht das freilich anders aus: Manfred Weber, seiner Zeit Kandidat auf den Posten des EU Kommissionspräsidenten sagte dies am Anfang und ähnliches an vielen Stationen seines Wahlkampfs in ganz Europa.

Auch von anderen Seiten wird der Begriff des Nationalismus als Schimpfwort ausgespuckt und als Vorstufe der Hölle dargestellt. Ob Grüne, Linke, Linke der Mitte, Sozialdemokraten, Gewerkschafter und Journalisten, sie alle sind heute warnend vereint, vor diesem Gespenst, das sich in unserer jüngeren Geschichte wohl am Klarsten 1989 und 2003 zeigte.

Individuum, Familie, Nation bilden eine organische Einheit.

Menschen sind komplexe Wesen, sie haben eigene Interessen und eine Wahrnehmung als Individuum. Sie gehen diesen Interessen nach. Dem Leser und der Leserin mögen aber auch Interessen nicht fremd sein, die sie nur in gesellschaftlichen Strukturen kennen, die über sie als Individuum hinausgehen.

Beispielsweise in der partnerschaftlichen Liebe oder beim Einstehen für eine Familie. Es wird für ein gemeinsames Interesse gearbeitet. Man nimmt sich als Teil von etwas war. In der Menschwerdung hat er sich zentral auch als Gruppenwesen herausgebildet. Weswegen Menschen in der Tendenz nach der Zugehörigkeit zu einer Gruppe streben und meist ein Zugehörigkeitsgefühl zu einer solchen empfinden.

Die Geschichte bot viele Entwürfe dieser Zugehörigkeit und Gruppen, welcher gegenüber sie Empfunden wird. Stämme, die Gesellschaften der Griechischen Stadtstaaten, das Imperium Romanum, Religionsgemeinschaften, die Standeszugehörigkeit, kamen und gingen. Beginnend im 18. Jahrhundert trat die Nation auf den Plan und mit ihm der Nationalismus.

Alle Gesellschaftsformen spiegeln einen Kern der menschlichen Natur. Es macht auch heute Sinn, diesem Kern in Gesellschaft und Staat Rechnung zu tragen und wir haben ein Konzept, das hierfür ideal ist. Das im 19. Jahrhundert gewachsene und zur Ausgestaltung gekommene Konzept der Nation, das Konzept des Nationalstaats.

Im Nationalstaat fühlen sich Bürger zugehörig.

Auch hier gilt: Jedes wirtschaftliche und politische Konzept ist so gut und so schlecht wie es mit den Grundzügen des Menschen übereinstimmt, diese anspricht, aufgreift und vermag sie zu integrieren. Das Fundament der Nation ist das Volk, eine größere Entsprechung was vor tausenden von Jahren die Stämme bildeten, in denen Menschen lebten.

Der Nationalstaat ist nun ein Staatswesen, das eine auf kulturellen, historischen und oft sprachlichen Gemeinsamkeiten miteinander verbundene Gesellschaft vertritt und auf dieser fußt. Der Staat umfasst ein Volk und vertritt dessen Interessen. Definiert und empfunden ist das Volk durch die beschriebenen Gemeinsamkeiten. Die Legitimation des Staates liegt einerseits in den Wahlen und andererseits darin, dieser Gesellschaft zum Vorteil zu gereichen.

Jeder zahlt seine Steuern, da sie dem Erhalt einer Gesellschaft dienen, der sich die Mehrheit intuitiv zugehörig fühlt. Politiker agieren nicht im freien Raum und nicht rein mit Blick auf alle vier Jahre stattfindende Wahl, sondern bestenfalls danach, dass sie dieses Konzept verinnerlicht haben. Gesetze werden geachtet und die Staatsgewalt gilt als legitim, da sie in einem kongruenten System entstanden sind.

Demokratie und Nationalstaat ergänzen sich.

Ideal ist das Konzept des Nationalstaats im 21. Jahrhundert, da es historisch geläutert ist, seine Konfliktpotentiale innerhalb Europas weitestgehend abgebaut sind und es im Kern verbunden ist, mit der demokratischen Entwicklung Europas.

Zwar ist der Nationalgedanke ideologieoffen; es kann also demokratische, diktatorische, sozialistische und liberale Anhänger nationaler Konzepte und national empfindende Menschen jeder Couleur geben.

Doch es waren historisch gesehen vor allem die Nationalbewegungen, die für freie, gleiche und geheime Wahlen eintraten. Auch ist das Wort Demokratie in seinem griechischen Ursprung schon mit dem Begriff des Volkes verbunden, welcher keine amorphe Masse, sondern seit jeher ein auf Gemeinsamkeiten aufbauendes Kollektiv meint.

Ohne die Nationalbewegung wäre die Bundesrepublik jedenfalls nicht der freiheitlich demokratische Staat der er heute ist. Die Nation ist eng verbunden mit der Seele unseres Staatswesens.

Der Nationalstaat schafft Frieden zwischen den Völkern und Nationen.

Die Konfliktpotentiale sind abgebaut – durch die weitgehenden Vereinheitlichungen der Bevölkerungen jeweils einer Nation in einem Staat, nach dem Zweiten Weltkrieg, bei gleichzeitiger Wucht dieses Krieges. Beides macht Grenzstreitigkeiten weitestgehend obsolet.

Und geläutert ist das Konzept dahingehend, dass mit dem Missbrauch des Konzeptes der Nation und seinen Irrwegen tiefe historische Erfahrungen verbunden sind, die die Menschen intuitiv davon abhalten, sie ein weiteres Mal in Erwägung zu ziehen. Verdeutlichen lässt sich dies beispielsweise in den Protesten gegen die erneute Wiederbewaffnung auf beiden Seiten der innerdeutschen Grenze.

Doch allen Unkenrufen zum Trotz: Der Nationalstaat hat in den letzten Jahrzehnten hinreichend bewiesen, dass er die Grundlage wohlhabender, friedlicher und freiheitlicher Gesellschaften ist.

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