Gehirn, Psyche, Charakter
Charakterbildung

Mehr Lebensglück und Erfolg mit bürgerlichen Tugenden

Die modernen Zeiten zehren an der Seele: Immer mehr Menschen leiden unter Einsamkeit, seelische Belastung ist die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit, viele klagen über Leistungsdruck. Auf der anderen Seite kennzeichnet der Eskapismus, die große Sucht nach Ablenkung, unsere Gesellschaft: Ohne den ausufernden Konsum in seinen vielfältigsten Ausprägungen – Reisen, Mode, Unterhaltung, Videospiele, Fressalien, Pornographie oder sogar Rauschmittel – scheint für viele ein erfülltes Leben gar nicht mehr möglich.

Wo ist also das Glück geblieben? Und wie können wir in einer schnelllebigen Welt schritthalten? Eines vorweg: Die genannten Herausforderungen sind keineswegs neu. Seit Jahrtausenden befassen sich die großen Weisheitslehrer damit, wie ein erfülltes und erfolgreiches Leben miteinander vereinbar ist. Der Kanon der „bürgerlichen Tugenden“ gründet auf solchen Ideen, die aus den drei wichtigen europäischen Geistestraditionen stammen – dem Christentum, der antiken Philosophie und der neuzeitlichen Aufklärung. Auch heute noch sorgen sie für Inspiration und Orientierung. TAXIS stellt Ihnen dazu drei wichtige Quellen vor.

Gelebte Werte sind eine sinnvolle Investition

Im Alten Testament sind die Weisheitssprüche des Königs Salomo versammelt, dessen Herrschaft das Königreich Israel zu Wohlstand und Frieden brachte. Salomo war dafür bekannt, von Gott mit großer Weisheit gesegnet worden zu sein. Die salomonischen Sprüche richten sich an seine Untertanen und geben ihnen Ratschläge für ein gutes Leben mit auf den Weg. Sie sind aus heutiger Sicht zwar sehr schlicht und auch bodenständig formuliert – doch genau darin liegt ihre Kraft. So steht geschrieben:

Dies sind die Sprüche Salomos, des Königs in Israel, des Sohnes Davids, zu lernen Weisheit und Zucht, Verstand Klugheit, Gerechtigkeit, Recht und Schlecht; daß die Unverständigen klug und die Jünglinge vernünftig und vorsichtig werden. Wer weise ist der hört zu und bessert sich; wer verständig ist, der läßt sich raten, daß er verstehe die Sprüche und ihre Deutung, die Lehre der Weisen und ihre Beispiele. Des HERRN Furcht ist Anfang der Erkenntnis. Die Ruchlosen verachten Weisheit und Zucht.

Weisheit bedeutet also, sich für gute Ratschläge zu öffnen. Wer ein gutes Leben führen möchte, ist gut beraten, sich stets weiter zu entwickeln. Ein besonderes Augenmerk legt König Salomo auf Ehrlichkeit, Fleiß und Gerechtigkeit, wie diese Sammlung einiger der Sprüche verrät:

Unrecht Gut hilft nicht; aber Gerechtigkeit errettet vor dem Tode.

Lässige Hand macht arm; aber der Fleißigen Hand macht reich.

Wer unschuldig lebt, der lebt sicher; wer aber verkehrt ist auf seinen Wegen, wird offenbar werden.

Wer im Sommer sammelt, der ist klug; wer aber in der Ernte schläft, wird zu Schanden.

Der Gerechte braucht sein Gut zum Leben; aber der Gottlose braucht sein Einkommen zur Sünde.

Der Gottlosen Arbeit wird fehlschlagen; aber wer Gerechtigkeit sät, das ist gewisses Gut.

So der Gerechte auf Erden leiden muß, wie viel mehr der Gottlose und der Sünder!

Der Faule begehrt und kriegt’s doch nicht; aber die Fleißigen kriegen genug.

In diesem Text zeigt sich die christliche Idee der Selbstverantwortung. Kein Mensch hat alle Freiheiten. Aber jeder Mensch kann sich entscheiden, ob er gerecht, gottesfürchtig und tugendhaft handelt. Wer dies tut, gewinnt sowohl spirituell als auch materiell dazu. Ebenso wird deutlich, dass ehrlich verdienter Wohlstand nach christlichem Verständnis keine Schande ist. Weisheit und korrektes Handeln sind, auch wenn sie nicht unmittelbar zu erwünschten Resultaten führen, als „Investitionen“ aufzufassen, die sich zu einem späteren Zeitpunkt auszahlen werden.  

Ob Sie es glauben oder nicht – der König Salomo war vom HERRN mit großer Weisheit gesegnet.

Ein „stoisches Gemüt“ lässt sich nicht vom Zeitgeist beeindrucken

Nach Ende der Römischen Republik und am Beginn der Kaiserzeit avanciert die Philosophie der Stoiker, die sogenannte Stoa, zu einer Art zivilreligiösen Morallehre. Dies kam auch nicht von ungefähr: Denn die Zeit war geprägt von einer zunehmenden Säkularisierung und damit einem Verfall des religiösen Lebens, des Patriotismus, der tradierten Moralvorstellung und nicht zuletzt auch des politischen Wertegefüges. Korruption und Hedonismus machten sich stattdessen breit, sodass die „spätrömischen Verhältnisse“ sich bis heute als Sprichwort für eine dekadente Gesellschaft gehalten haben. (Freilich nicht völlig von der Hand zu weisen sind gewisse Parallelen zwischen den damaligen und den heutigen Zuständen in Europa.)

Lucius Annaeus Seneca lebte von 1 bis 65 nach Christus und gilt als einer der wichtigsten Vertreter der stoischen Ethik. In seinen Epistulae morales an den etwas jüngeren Lucilius gab Seneca zahlreiche Ratschläge, wie sich ein guter Charakter in den emotionalen, schicksalhaften und nicht zuletzt politischen Stürmen des Lebens behaupten kann. Viele darunter sollten gerade heute noch gelesen und beherzigt werden:

Folgst du meinem Rat, so meidest du den häufigen Ortswechsel und das Hinüberspringen von einer Stätte zur anderen, weil ein solcher Wandertrieb ein unstetes Gemüt verrät: Es fehlt ihm die Ruhe zu rechter Sammlung und Festigung, wenn es unaufhörlich um sich schaut und in die Irre geht.

Für einen Stier reicht zur Sättigung eine Weide von wenigen Jochen aus; ein einziger Wald bietet einer ganzen Anzahl von Elephanten hinreichende Nahrung: Nur der Mensch mästet sich von Land und Meer zugleich. Wie steht’s also? Hat die Natur uns bei so mäßigem Körperumfang einen so unersättlichen Magen gegeben, daß wir die Gier der gewaltigsten und gefräßigsten Tiere hinter uns lassen? Keineswegs. Denn mit wie wenigem ist die Natur befriedigt, mit wie wenigem nimmt sie vorlieb: Nicht der Hunger kommt uns teuer zu stehen, sondern unser Ehrgeiz. Leute also, welche, mit Sallust zu reden, „dem Bauchesdienst ergeben“ sind, wollen wir nicht zu den Menschen rechnen, sondern zu den Tieren, manche nicht einmal zu den Tieren, sondern zu den Toten.

Viel haben sie geleistet, die vor uns waren, aber nicht alles. Gleichwohl müssen wir verehrend zu ihnen aufblicken, und sie verdienen göttliche Ehren. Warum sollte ich nicht die Bildnisse großer Männer als Ansporn zu geistigem Streben vor Augen haben oder ihre Geburtstage festlich begehen? Warum nicht immer ihre Namen ehrfurchtsvoll nennen? Dieselbe Verehrung, die ich meinen Lehrern schulde, zolle ich auch den Lehrern des gesamten Menschengeschlechts, denn sie sind der Quell so vieler wahrer Güter. Erblicke ich einen Konsul oder Praetor, so werde ich ihnen alle ihrer Stellung gebührende Hochachtung erweisen: Ich springe vom Pferde, entblöße mein Haupt, trete zur Seite.

Willst du die Seele in Schranken halten, so musst du zuerst dem flüchtigen Treiben des Körpers Einhalt tun.

Was immer an Zeit in der Vergangenheit ist, der Tod hält es in seinen Händen.

Ein Gegner der spätrömischen Dekadenz – der Philosoph Seneca wurde von Nero verfolgt und zum Selbstmord gezwungen.

Der richtige Umgang mit Menschen eröffnet persönliche Freiheit

Der berühmte deutsche Sittenlehrer Adolph Freiherr Knigge wird auch heute noch sehr oft falsch verstanden. Beim „Knigge“ denken viele Hörer zuerst an eine verstaubte Hofetikette und starre Verhaltensregeln. Dabei hatte Knigge etwas völlig anderes im Sinn! Nämlich einen Weg aufzuzeigen, um im Umgang mit Menschen selbstbestimmt und erfolgreich zu werden. Aber lassen wir ihn selbst zu Worte kommen:

Nein! meine Bemerkung trifft Personen, die wahrlich allen guten Willen und treue Rechtschaffenheit mit mannigfaltigen, recht vorzüglichen Eigenschaften und dem eifrigen Bestreben, in der Welt fortzukommen, eigenes und fremdes Glück zu bauen, verbinden, und die dennoch mit diesem allen verkannt, übersehn werden, zu gar nichts gelangen. Woher kommt das?

Der Aufklärer Knigge litt sichtlich daran, dass manche seiner Mitmenschen trotz ihres ausgezeichneten Charakters nicht so recht in der Gesellschaft vorankamen. Knigge fand darin ein großes Problem, dass sie unbewusst immer in dieselben Schlamassel und Fettnäpfchen traten und ihnen damit Freiheit und Selbstbestimmung fehlte.

Um dagegen Erfolg im Umgang mit Menschen zu haben, bedarf es nach Knigge einer gründlichen Selbstreflexion und Mäßigung, wie aus den folgenden ausgewählten Knigge-Regeln ersichtlich wird:

Strebe nach Vollkommenheit, aber nicht nach dem Scheine der Vollkommenheit und Unfehlbarkeit! Die Menschen beurteilen und richten Dich nach dem Maßstabe Deiner Prätensionen, und sie sind noch billig, wenn sie nur das tun, wenn sie Dir nicht Prätensionen aufbürden.

Sei aber nicht gar zu sehr ein Sklave der Meinungen andrer von Dir! Sei selbständig!

Enthülle nie auf unedle Art die Schwächen Deiner Nebenmenschen, um Dich zu erheben! Ziehe nicht ihre Fehler und Verirrungen an das Tageslicht, um auf ihre Unkosten zu schimmern!

Rühme aber auch nicht zu laut Deine glückliche Lage! Krame nicht zu glänzend Deine Pracht, Deinen Reichtum, Deine Talente aus!

Keine Regel ist so allgemein, keine so heilig zu halten, keine führt so sicher dahin, uns dauerhafte Achtung und Freundschaft zu erwerben, als die: unverbrüchlich, auch in den geringsten Kleinigkeiten, Wort zu halten, seiner Zusage treu, und stets wahrhaftig zu sein in seinen Reden.

Sei streng, pünktlich, ordentlich, arbeitsam, fleißig in Deinem Berufe! Bewahre Deine Papiere, Deine Schlüssel und alles so, daß Du jedes einzelne Stück auch im Dunkeln finden könntest! Verfahre noch ordentlicher mit fremden Sachen!

Interessiere Dich für andre, wenn Du willst, daß andre sich für Dich interessieren sollen!

Es gibt Menschen, die auch im geselligen Leben immer nur empfangen, nie geben wollen, die vom übrigen Teile des Publikums amüsiert, unterrichtet, bedient, gelobt, bezahlt, gefüttert zu werden verlangen, ohne etwas dafür zu leisten; die über Langeweile klagen, ohne zu fragen, ob die andern weniger Langeweile gemacht haben; die behaglich dasitzen, sich’s wohl sein, sich erzählen lassen, aber nicht daran denken, auch für das Vergnügen der übrigen zu sorgen. – Das ist aber so ungerecht als lästig.

Würze nicht Deine Unterhaltung mit Zweideutigkeiten, mit Anspielungen auf Dinge, die entweder Ekel erwecken oder keusche Wangen erröten machen. 

Sich selbst zurückzunehmen, das richtige Maß zu finden, auch die Interessen anderer wahrzunehmen – das sind die Werte, die sich wie ein roter Faden durch Adolph Knigges Ratschläge ziehen. Dies bedeutet eben manchmal auch, unmittelbare Wünsche und Impulse hintenanzustellen. Erst auf einer solchen Basis kann eine freie und aufgeklärte Gesellschaft funktionieren.

Ein Ehrenmann, schon lange bevor es angesagt war: Adolph Freiherr Knigge

Fazit: Das Streben nach Glück und Erfolg steht allen Menschen offen

Der König Salomo, Seneca und Knigge waren sich in einem Punkte einig: Wenn Sie im Leben erfolgreich und glücklich sein wollen, sind Sie dafür in erster Linie selbst verantwortlich. Jeder Mensch kann Werte wie Fleiß, Anstand, Ehrlichkeit, Ehrfurcht, Freundlichkeit (und viele mehr) lernen und üben. Glück und Erfolg kommen nicht über Nacht, aber umso sicherer, wenn Sie heute noch die richtigen Entscheidungen treffen.

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