Kommunistischer Mann
TAXIS

Verdrehte Exegese – Wie die linke »jungle world« an der Lektüre von TAXIS scheitert

Als langjähriger Leser* der linken Zeitschrift »jungle world« hat es mich zunächst gefreut, zu erfahren, dass unser Zeitschriftenprojekt in, wie ich glaubte, linksintellektuellen Kreisen zur Kenntnis genommen wird.

Nach dem Durchlesen des Artikels von Felix Schilk ist diese Freude jedoch schnell verflogen. Zu schlampig und schlecht geschrieben ist jener, zu unsubtil die Anwendung der – freilich in gewissem Rahmen erwartbaren – linken Anschmiertaktiken.

Weniger der plumben Abhandlung in der »jungle world« als letzteren im Allgemeinen möchte ich daher diesen Beitrag widmen.

Schilk nutzt die folgenden typischen Stilmittel, um bei den Lesern der »jungle world« eine verzerrte Wahrnehmung der Inhalte unserer Zeitschrift hervorzurufen.

Stilmittel 1: Die verdrehte Exegese

Dies bedeutet, Zitate und Verweise werden verkürzt, aus dem Kontext gerissen oder sogar falsch dargestellt, um eine Interpretation zu rechtfertigen, die die Ausgangstexte streng genommen gar nicht hergeben würden.

Ein solches Vorgehen ist intellektuell unredlich und aus akademischer Sicht sogar sehr peinlich.

Aber schließlich geht es hier nicht um eine inhaltliche Auseinandersetzung, sondern um Suggestion, Geraune, Sound.

So schreibt Schilk:

Im Impressum heißt es »E-Post« und »Netzblatt«.

Tatsächlich beinhaltet keines der Impressa in unseren Verbreitungsmedien diese Wörter. Im Impressum unserer Druck- und Digitalausgabe ist sogar ganz anglophil von „Email“ die Rede (wer sich davon überzeugen möchte, kann das Heft hier bestellen).

Weiter behauptet Schilk:

Die Neue Rechte, aus deren strategischen Schriften auffällig oft zitiert wird, […].

Diese Unterstellung ist schlichtweg infam, weil der Autor weder definiert, welche diese strategische Schriften der „Neuen Rechten“ sein sollen, noch Beispiele nennt, in denen sie in TAXIS zitiert werden.

Meint er vielleicht meine Auseinandersetzung mit den Schriften des Linksanarchisten Saul Alinski in meinem Blogbeitrag „Totale Rezognation“?

Weiter Schilk:

Die Frage »Noch konservativ – oder schon rechtspopulistisch?«, die Schönherr in seinem Blogbeitrag stellt, wird nicht inhaltlich, sondern ausschließlich taktisch beantwortet.

Diese Frage beantwortet keiner meiner Blogartikel, weil sie dort auch nirgends gestellt wird. Es handelt sich vielmehr um den Titel meines Aufsatzes in der Druck- und Digitalausgabe. Dieser befasst sich sehr wohl inhaltlich mit den verschiedenfach geäußerten Konzepten von „konservativ“ und stellt klare Trennlinien dar.

Gegnern wie der Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg, dem Youtuber Rezo und dem Philosophen Jürgen Habermas […].

In TAXIS werden weder Jürgen Habermas noch Greta oder Rezo als „Gegner“ bezeichnet. Natürlich setzen sich unsere Autoren kritisch mit deren Ansichten auseinander. Hierfür ist der Begriff „Gegner“ aber wohl ein wenig übertrieben…

Es ließen sich in dem Artikel von Schilk noch einige weitere Schlampigkeiten und Verzerrungen bemängeln, aber ich belasse es an dieser Stelle dabei.

Mein Fazit: Akademische und sogar journalistische Standards spielen hier eine untergeordnete Rolle. Es geht darum, eine bestimmte Stimmung zu schüren und dem gutmeinenden linksakademischen Publikum den wochenendlichen Schauer von „rechts“ über den Rücken zu jagen…

Stilmittel 2: Die Zitierschuld

Eine beliebte Diffamierungstaktik der radikalen Linken ist die Behauptung sogenannter Kontaktschuld, und die geht in etwa so: „A hatte einmal Kontakt zu B, der einmal Kontakt zu C hatte. A muss sich dafür rechtfertigen, wenn D und E bis Y und Z, die im Umfeld von C sind, bestimmte Dinge sagen oder tun.“

Der Text von Schilk arbeitet mit der Zitierschuld, einer pseudointellektuellen Abwandlung der Kontaktschuld:

Das Heft ist vom neurechten Idiom geprägt und bedient alle Fraktionen des rechten Mosaiks. […] Für das Umfeld der Jungen Freiheit werden deren Chefredakteur Dieter Stein und deren Kolumnist Karlheinz Weißmann zitiert, für Götz Kubitscheks Politsekte aus Schnellroda gibt es Verweise auf die Zeitschrift Sezession und die »Konservative Revolution«.

Schilk lässt hier – wohl ganz bewusst – unter den Tisch fallen, dass ich mich in meinem Beitrag sowohl gegenüber dem Themenkomplex „Konservative Revolution“ als auch der „Politsekte aus Schnellroda“ kritisch positioniere.

Da der Beitrag zum Ziel hat, Strömungen in der Breite darzustellen, die sich selbst als konservativ einordnen, gehört eine kritische Analyse der „Konservativen Revolution“ und ihrer Epigonen selbstverständlich mit hinein.

Es wird von Schilk aber so dargestellt, als sei ein Zitat oder eine Bezugnahme auf Schriften Dritter per se „versteckte Werbung“ für diese.

Dass ich in meinem Aufsatz beispielsweise auch auf das eher progressiv orientierte „konservative“ Spektrum um beispielsweise Diana Kinnert oder #konservativstattrechts Bezug nehme, ist für Herrn Schilk nicht erwähnenswert. Es würde die unterstellte Zitierschuld schließlich auch widerlegen, was der Leserschaft der »jungle world« offenbar nicht zugemutet werden soll.

Letztendlich ließe sich der Spieß auch umdrehen: Felix Schilk „bedient“ mit seinen vielen Zitaten aus der Zeitschrift TAXIS, in der viele andere Quellen zitiert werden, ebenfalls das „rechte Mosaik“…

[Aktualisierung vom 02. Oktober 2019]

Nach näherer Beschäftigung mit dem mir zunächst unbekannten Begriff „rechtes Mosaik“ muss ich mich noch mehr über Felix Schilk ärgern. Die Rede vom Mosaik stammt nämlich von dem Sezession-Autor Benedikt Kaiser. Hanebüchen ist, wie unreflektiert Schilk den Begriff und seinen propagandistischen Subtext übernimmt. 

Wer sich auch nur oberflächlich damit beschäftigt, merkt sofort, dass Kaisers Behauptung vom „rechten Mosaik“ gleich dreifach betrügt:

Erstens gaukelt sie eine inhaltliche, personelle, organisatorische und auch ideelle Pluralität vor, die in Wirklichkeit gar nicht existiert. Tatsächlich laufen im „Mosaik“ alle Fäden zu einem Strang zusammen. Es ähnelt daher eher einer Stereoanlage, an der zwar mehrere Lautsprecher hängen, aber in der stets ein und dieselbe Platte läuft – und die von ein und demselben Discjockey aufgelegt wurde. Wer es dagegen wagt, im „Mosaik“ inhaltliche zu üben oder sogar persönliche Kritik an Führungspersönlichkeiten, wird daraus genauso willkürlich und rasch wieder entfernt, wie er hineingeraten ist…

Zweitens sollen durch den Begriff des Mosaik Bündnisse zu Akteuren außerhalb des eigenen Lagers suggeriert werden, wo es in Wirklichkeit gar keine gibt. Mit dem Begriff des „Mosaik“ haben Kaiser und seine Weggefährten jederzeit die Möglichkeit, x-beliebige Akteure durch einseitige Freundschafts- und Solidaritätsbekundigungen in ihr selbsterklärtes „Mosaik“ hineinzuziehen – ohne dass jene die Möglichkeit haben, sich dagegen zu wehren. Anders herum wird freilich dann doch ein Schuh draus: Natürlich könnte man Kaiser, Kubitschek oder Sellner auch fragen, ob beispielsweise der Christchurch-Attentäter Tarrant Teil ihres „Mosaiks“ ist. Hier würde die Distanzierung höchstwahrscheinlich dann sehr schnell und eindeutig ausfallen…

Drittens will der Begriff „Mosaik“ eine Art Massenbewegung fingieren, wo wir tatsächlich von einer sehr kleinen Szene bzw. ideologischen Subkultur reden, die zumindest in gewissen Aspekten an skurille Politsekten wie die K-Gruppen der 1970er Jahre erinnert. „Wir sind Legion“, raunt es einem so aus dem Potemkinschen Dorf in der sachsen-anhaltinischen Provinz entgegen. 

Leider gehen nun insbesondere linke „Journaktivisten“ dieser recht preiswert gehalte en Inszenierung auf den Leim. 

À propos: Ich halte Benedikt Kaiser tatsächlich für intelligent genug, mit dem Mosaik-Begriff auch bewusst einen Köder gelegt zu haben. Für eher simpel gestrickte linke Gemüter, wie Herrn Schilk, dem es ja vor allem um Diffamierung geht, ist die Vorstellung eines diffusen Netzwerks im rechten Spektrum, durch die sich jeder mit jedem irgendwie in Verbindung setzen lässt, äußerst verlockend. Der buntscheckigen wie kindlichen Phantasie des Denunzianten sind damit keine Grenzen mehr gesetzt.

Wohl nicht zuletzt deshalb faseln mittlerweile auch Linke völlig schambefreit und unreflektiert von einem „rechten Mosaik“. (Zuletzt auch hier geschehen – mit freundlicher Unterstützung des Bundesministeriums „für alle außer Männer“.)

Dass diese Linken, die Kaisers Begriff vom „rechten Mosaik“ derart unreflektiert übernehmen, dadurch zu seinem Lautsprecher werden und ironischerweise genau denen in die Hände spielen, die sie eigentlich zu bekämpfen vorgeben, scheint sie dabei nicht sonderlich zu stören. 

Und dass nun gerade ich der „intellektuellen Linken“ derart basale ideologiekritische Betrachtungen vorkauen muss, zeigt deren desaströsen Zustand auf. Die Behauptung, der Geist stehe links, ist, ganz nach Franz-Josef Strauß, eine Dummheit nach wie vor.

[Ende der Aktualisierung]

Stilmittel 3: Der Nebelbegriff „neurechts“

Das Meta-Narrativ, auf das es die »jungle world« offenbar abgesehen hat: TAXIS und damit die WerteUnion (Kontaktschuld!) wollten „neurechte“ Strömungen ansprechen und in die Unionsparteien integrieren.

Tatsächlich gibt es so etwas wie „neurechts“ als organisierte politische Strömung aber gar nicht, es ist ein daherfingierter Kunstbegriff!

Als „Neue Rechte“ bzw. Nouvelle Droite wird zwar eine Gruppe französischer Intellektueller um Alain de Benoist bezeichnet, die in den 1970er Jahren entstand und eine rechte Kultur- und Kapitalismus-Kritik in Abgrenzung zu den 68ern formulierte. Diese Strömung konnte aber niemals eine politische oder publizistische Breitenwirkung entfalten und verschwand daher konsequenterweise wieder in der Versenkung.

Nun schon seit einigen Jahren wird der Begriff „neurechts“ von Rechts- UND Linksradikalen wieder hochgekocht, um eine de facto nicht existente Brückenposition zwischen Bürgerlich-Konservativen und Rechtsextremen zu behaupten.

Die jeweiligen Strategien dahinter sind so simpel wie infam:

  • Rechtsextreme wollen sich durch ein bürgerliches oder auch populistisches Auftreten in weite Teile der Bevölkerung anschlussfähig machen. Als versteckten Hinweis an die eigene radikale Basis, dass sie diese Strategie fahren, nutzen sie die Marke „neurechts“. So bald sie in ihren Augen genug Macht haben, lassen sie die „Maske fallen“. Ein frühes und prägendes Beispiel für diesen strategischen Ansatz war die sogenannte Aktion Neue Rechte (ANR), eine rechtsextreme NPD-Abspaltung. Glücklicherweise verschwand sie schon kurz nach ihrer Gründung im Jahr 1972 wieder von der Bildfläche…
  • Linksextremen kommt der Begriff „neurechts“ ebenfalls gelegen, um ihren „anti“-faschistischen Kampf gegen unliebsame Nicht-Linke bis tief in bürgerlich-konservative Gruppierungen hinein auszudehnen und dies dann auch ideologisch begründen zu können. Wenn katholische Mütter, die sich gegen Abtreibung und Genderunterricht äußern, oder auch kritisch denkende Senioren, die Unterschriften gegen GEZ-Zwangsgebühren sammeln, zur „Neuen Rechten“ gehören – also einer Vorstufe zur extremen Rechten – fallen die Hemmschwellen, auch sie mit unlauteren Mitteln zu bekämpfen.

Ein Hinweis an Ideologen beider Extreme:

TAXIS ist keine „neurechte“ Zeitschrift!

(und im Übrigen auch nicht „die Zeitschrift der WerteUnion“!)

Das Hufeisen: Nicht nur Glücksbringer, sondern auch zuverlässiger politischer Kompass.

*Hinweis in eigener Sache: Als linker Student bin ich etwa 2010 auf die Zeitschrift »jungle world« gestoßen. Darin enthalten waren immer wieder Positionen, die sich erfrischend und unorthodox vom linken Einheitsbrei absetzen: Bekenntnis zum transatlantischen Bündnis; kritisches Nachdenken über den islamischen Extremismus; differenzierte Auseinandersetzung mit der Marktwirtschaft. Abstoßend hingegen fand und finde ich bis heute noch den teils offen zur Schau getragenen antideutschen Rassismus. Alles in allem kann »jungle world« aber durchaus als „Einstiegsdroge“ für intelligentere Linke ins konservative Denken gelten. Sollten Sie potenziell abtrünnige Linke in Ihrem Bekanntenkreis haben, leiten Sie ihnen doch einmal die folgenden Artikel weiter:

Kritik am Islam-Appeasement vieler Linker:
Linke Relativierungen und rechte IslamkritikDie Voltaires verteidigen

Leipziger Initiative gegen den Islamismus:
Konflikte zwischen linken Islamkritikern und linken Islamverstehern in Leipzig

Kritik an der linken Opfermythologie bzw. „Identitätspolitik“:
Identitätspolitik und Universalismus – Die Erfindung der Weißen

Kritik an SPD-Außenminister Heiko Maas für seine Anbiederung an das islamistische und antisemitische Regime in Teheran:
Offener Brief an Heiko Maas – Dialog mit Antisemiten?

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