Zeitgeist

Was will „Extinction Rebellion“?

Nach der bisher überaus erfolgreichen Mobilisierung rund um „Fridays for Future“ tritt mit „Extinction Rebellion“ eine weitere Klimakampagne auf den Plan.

Extincton Rebellion bzw. „XR“ – also der selbsternannte Aufstand gegen das Aussterben – gilt als die radikale Schwester der erstgenannten.

Ein näherer Blick auf Aktionsformen und Ideologie offenbart, dass es sich keineswegs um ein völlig neuartiges Phänomen handelt.

Rousseau meets Dritte-Welt-Laden

Um das Weltbild hinter den teils kruden Vorstellungen der Aktivisten zu verstehen, lohnt sich eine Durchsicht der folgenden Rede von Carola Rackete:

Rousseau’sche Weisheiten von und mit Carola Rackete

Rackete zitiert darin eine Bekannte aus dem Tschad. Während in dem afrikanischen Land die Menschen früher noch im Einklang der Natur gelebt haben, sei dies durch den in den Wohlstandsregionen gemachten Klimawandels in Zukunft unmöglich. Dieser rufe Zerstörungen hervor, wie wir sie sonst aus der Bibel kennen: Bäume verbrennen, das Land wird überschwemmt, Mensch und Tier verenden.

In den verkitschten und teils peinlichen Ausführungen setzt sich, unschwer erkennbar, die „ewige“ Handschrift Rousseaus in der linken Ideengeschichte fort: Der Mensch lebt im Naturzustand frei und friedlich; erst die Zivilisation verdirbt ihn und führt zu Unterdrückung und Umweltzerstörung. Die „edlen Wilden“ der rückständigen Nationen sind den entwickelten Zivilisationsmenschen moralisch überlegen. Möglicherweise will Rackete mit ihrer Rastafrisur zum Ausdruck bringen, dass sie sich mit ersteren identifiziert (wenngleich es sich dabei wohl um „kulturelle Aneignung“ handelt).

Was Rackete freilich nicht erwähnt, ist die Tatsache, dass die Bevölkerung in Tschad zwischen 1960 und 2018 von drei Millionen auf fünfzehn Millionen gestiegen ist und sich damit verfünffacht hat. Ebenso bleibt unerwähnt, dass bereits üppige Entwicklungsgelder nach Tschad fließen und eine „Klimakompensation“ damit schon lange stattfindet – wobei sich an der Armut und Ressourcenknappheit hierdurch kaum etwas ändert, eher im Gegenteil.

Die Probleme im Tschad sind weniger in den klimatischen Bedingungen als vielmehr einer problematischen Gesellschaftsentwicklung zu sehen. Statt hysterischer Klimapolitik sollte Deutschland daher eher über eine fehlgeleitete Entwicklungspolitik diskutieren. Wie es besser geht, machen uns derzeit die Chinesen vor.

Retorten-Aktivismus nach bekanntem Drehbuch

Auffällig an der neuen Bewegung ist zum einen ihre Internationalität (Wer kann einfach mal so eine international aktive Bewegung aus dem Boden stampfen?); zum anderen ihre professionelle Organisation und Außendarstellung. 

Zu ihrem methodischen Selbstverständnis hat „XR“ dieses interessante Video veröffentlicht:

Rebellion!

Ziviler Ungehorsam: DIY-Anleitung in 6 Schritten

Gepostet von Extinction Rebellion Deutschland am Mittwoch, 11. September 2019

Diese „Anleitung zum zivilen Ungehorsam“ erinnert verblüffend an die Vorgehensweise, die Srđa Popović in seinem Strategiehandbuch Blueprint for Revolution beschreibt.

Wem dies kein Begriff sein sollte: Ich habe dazu in TAXIS 01-2019 eine Rezension verfasst, die ich aus aktuellem Anlass nun ins Netzblatt gestellt habe.

Der „kreative“ Sponti-Aktivismus von Extincton Rebellion ist also keineswegs neu, sondern ist bereits bei der Occupy- und der sich daraus radikalisierten Blockupy-Bewegung zum Einsatz gekommen. Zudem muss „XR“ aus einer bereits existierenden und weitgehend professionalisierten internationalen Struktur heraus entstanden sein. Hierzu ist bereits eine interessante Recherche bei ScienceFiles erschienen.

Bereich bevor die Bewegung größere Demos auf die Straße gebracht hat, hatte sie zudem offenbar Buchdeals mit den Mainstream-Verlagen Pinguin Books und S. Fischer eingetütet. Kurzum: Eine „Graswurzelbewegung“ sieht anders aus.

Die angstgetriebene Klimakampagne dient autoritären Zielen

Im Umfeld von „Fridays for Future“, „XR und anderer Klimaorganisationen häufen sich die Anzeichen einer linksautoritären Agenda.

Hier ein Zitat von XR-Mitbegründer Stuart Basden:

And I’m here to say that XR isn’t about the climate. You see, the climate’s breakdown is a symptom of a toxic system of that has infected the ways we relate to each other as humans and to all life. This was exacerbated when European ‘civilisation’ was spread around the globe through cruelty and violence (especially) over the last 600 years of colonialism, although the roots of the infections go much further back. As Europeans spread their toxicity around the world, they brought torture, genocide, carnage and suffering to the ends of the earth.

Meinungsbeitrag bei medium.com

Zivilisatorischer Selbsthass gehört, wie in weiten Teilen der Neuen Linken, offenbar zum Programm. Man beachte den entmenschlichenden Sprech von „Ausbreitung“ und „Infektion“.

Roger Hallam, ein weiterer Mitgründer bei XR:

Wenn eine Gesellschaft so unmoralisch handelt, wird Demokratie irrelevant.

Im SPIEGEL-Interview

An anderer Stelle wird auch schon mit dem Gedanken gespielt, das Strafrecht auf „Klimaleugner“ anzusetzen, oder gleich die Demokratie auszuhebeln – beziehungsweise „auszusetzen“.

Sind die Klimaschützer tatsächlich derart besorgt, dass sie unsere zivilisatorischen Errungenschaften wie Wohlstand und Freiheit einfach so opfern? Oder dient die Notstandsrhetorik als Vorwand, um Macht zu erhalten und eine umfassende Gesellschtstransformation durchzusetzen?

Mit der letzteren Variante hat Deutschland in der Vergangenheit jedenfalls sehr unrühmliche Erfahrungen gemacht, die unter keinen Umständen wiederholt werden sollten.

Der Umsturz bleibt aus – doch der linksautoritäre Druck auf die Politik bleibt

Gruppen wie Extincton Rebellion feiern zwar die Grenzüberschreitung, wollen ihrem Selbstverständnis nach aber gewaltfrei bleiben. Auch wenn sie autoritäre Standpunkte vertreten, stammen die meisten FFF- und XR-Aktivisten wohl aus viel zu saturierten Milieus, um sich in einem Akt der Verzweiflung gewaltsam zu radikalisieren.

Die Klimadiskussion ist eine Spielwiese für die narzistische Selbstdarstellung privilegierter Wohlstandsbürger, die bei ihrem Aufstieg zum Gipfel der Maslow-Pyramide nur noch wenige Zentimeter vor sich haben.

Im konservativen Spektrum muss ich dann wiederum viele wütende und teils überzogene Kommentare („Klimaterroristen“) lesen. Ich bin da etwas entspannter:

Die aktuellen Klimakampagnen und ihr „ziviler Ungehorsam“ folgen ohnehin dem Paradigma der Soft Power. Diese hat sich in bestimmten Situationen der Vergangenheit zwar als zielführend erwiesen – in der Regel können sie aber keine weitreichenden Veränderungen hervorrufen, weil harte Interessen überwiegen.

Nichtsdestotrotz wird der Bohei um den (menschengemachten) Klimawandel eine ganze Weile weitergehen. Nicht zuletzt ist es das einzige Thema, mit dem Linke noch erfolgreich mobilisieren können.

Da ein Aussterben der Menschheit durch die Klimakatastrophe sehr wahrscheinlich ausbleiben wird (und falls nicht, wird es sich nicht mit E-Autos oder „Flugscham“ aufhalten lassen), sollte sich das konservative Lager eher Gedanken über eine Reform der globalen Entwicklungspolitik sowie zukunftsweisende Technologien machen, durch die sich die unvermeidlichen klimatischen Schwankungen abfedern lassen.

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